Neonatologie beschreibt den Teil der Kinderheilkunde der sich mit der Neu- und Frühgeborenenversorgung beschäftigt. Aktuell kommt jedes dritte Kind vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt und ist damit ein Frühgeborenes. Etwa 0,1 % aller Neugeborenen haben ein Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm. Diese Kinder sind Hochrisikopatienten für die Entwicklung von Langzeitschäden, die zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen können. Im Rahmen der verbesserten intensivmedizinischen Versorgung ist es möglich, auch sehr unreifen Frühgeborenen einen Start ins Leben zu ermöglichen und sie zum errechneten Geburtstermin nach Hause zu entlassen. Aufgrund der Frühgeburtlichkeit und Unreife bestehen aber auch nach der Entlassung noch multiple Probleme, die einer aufmerksamen interdisziplinären Nachsorge bedürfen. Um die vielfältigen Probleme entsprechend den Bedürfnissen des Patienten lösen zu können, bieten wir in unserer Schwerpunktpraxis ein umfassendes Case Management und eine individuelle Therapie nach Prioritätenlage und Risikoabschätzung zum Wohle des Patienten und der gesamten Familie an.

Wie sieht unser Nachsorgekalender für Frühgeborene aus?

Atemwegserkrankungen:

Durch Lungenunreife, Beatmung und Infektionen kann sich eine chronische Lungenerkrankung entwickeln, die zu wiederholten Lungeninfektionen, zum Teil mit Sauerstoffbedarf führt. Prophylaktisch können aktive Immunisierungen, supportive medikamentöse Therapien (Aminophylline, Inhalationen) und Physiotherapie durchgeführt werden. Folgeerkrankungen können so vermindert und mögliche Krankenhausaufenthalte reduziert oder vermieden werden.

Monitorsprechstunde:

Die Unreife des Atemzentrums führt zu einer periodischen Atmung des Frühgeborenen, die mit Apnoen und Bradykardien einhergehen kann. Besteht zusätzlich eine chronische Lungenerkrankung, ist das Risiko, einen "Plötzlichen Kindstod" zu erleiden, erhöht. Deshalb erhalten Risikopatienten einen Heimmonitor, der Atemmuster und Sauerstoffsättigung überwacht. Die Eltern werden in Reanimationsmaßnahmen eingewiesen und der Patient regelmäßig ambulant überwacht.

Kardiale Störungen:

Chronische Lungenerkrankungen können zu kardialen Störungen (Rechtsherzbelastung) führen, diese bedürfen engmaschiger Betreuung und eventueller Therapie durch den Kinderkardiologen.

Ernährungsstörungen:

Ernährungsstörungen und Dystrophie ehemaliger Frühgeborener ist ein bekanntes Problem in der Neonatalnachsorge. Sondenernährung, hochkalorische Nahrungsanreicherungen, Diätprogramme und Elternberatungen sind unabdingbar. Neben den für ihre Schwangerschaftsdauer adäquat gewachsenen Kindern sind hier insbesondere die Patienten zu betreuen, deren Gewicht schon bei Geburt nicht dem der Gleichaltrigen entsprach (< 3.Perzentile, SGA). Diese Kinder sind besonders gefährdet ein diabetisassoziiertes Syndrom X und kardiovaskuläre Störungen im Erwachsenenalter zu entwickeln.

Neurologie:

Regelmäßige entwicklungsneurologische Untersuchungen und Überwachung der Meilensteine der Entwicklung sind bei Frühgeborenen sehr wichtig, die Kooperation mit Neuropädiatern obligat. Entwicklungsstörungen und psychomotorische Retardierung durch cerebrale Unreife, Hirnblutungen oder Infektionen können durch Früherkennung speziellen Förderungsprogrammen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) zugeführt werden. Auch Störungen des Hör- und Sehvermögens durch Unreife, Infektion, Medikamente oder Sauerstofftherapie (Retinopathie) müssen frühzeitig erkannt und therapiert (Sehhilfe, Hörgeräte) werden, um die Entwicklung des Kindes und die Kommunikation mit seiner Umwelt zu ermöglichen.

Unser heutiges Impfen basiert auf einer schon Jahrtausende alten menschlichen Erfahrung: eine überstandene Erkrankung bewirkt häufig, dass man diese Krankheit nie wieder bekommt, also durch die "Krankheitsarbeit" nun geschützt, immun geworden ist. Es gibt Berichte aus vielen alten Kulturen, in denen dieses Prinzip des Schutzes vor Krankheiten schon vor über 3000 Jahren etwa in Indien bekannt war und man damit offenbar auch erfolgreich experimentierte. Dies wurde lange Zeit vergessen und eine Infektionskrankheit bedeutete in Europa noch bis vor kurzer Zeit ein magisches, schicksalhaftes Geschehen, das sich menschlicher Behandlung oder gar Vorbeugung entzog und Millionen von Menschen vorzeitig das Leben kostete.